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Unser Ortsverein

Foto-Studio 19, Stotz

Die Geschichte des DRK-Ortsvereins Kirchheim unter Teck

Der Ursprung des Deutschen Roten Kreuzes in Kirchheim unter Teck liegt im Jahre 1912. Ausschlaggebend war die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, welche auf die Idee des Schweizer Geschäftsmanns Henry Dunant zurückgeht. Henry Dunant, der selbst Zeuge des Leids während der Schlacht von Solferino im Juni 1859 wurde, entschloss sich zum Aufbau einer international unabhängigen Hilfsorganisation, welche sich die Versorgung Verwundeter zur Aufgabe machen sollte. Diesen Gedanken lebte Henry Dunant schon während seines Handelns in Solferino, als er - unabhängig von Nationalität, Herkunft und Geschlecht - Verwundete dieser schweren Schlacht versorgte. Seine berühmten Worte „sono tutti fratelli“ („Wir sind alle Brüder“), die sich die Helfenden immer wieder zueinander sagten, galten als Leitbild der Idee Dunants und sind auch heute noch das Kernstück der Arbeit im Roten Kreuz. Mit der Gründung des Roten Kreuzes im Jahre 1863 in Genf und den daraus resultierenden Genfer Konventionen verwirklichte Dunant seine Idee.

Aufgrund dieser Entwicklung bildeten sich in den folgenden Jahren deutschlandweit sogenannte „Sanitätskolonnen“. Auch in Kirchheim war dies der Fall. Am 25. Oktober 1912 wurde im Gasthaus „Zum Lenninger Thal“ in einer Gründungsversammlung die „Freiwillige Sanitätskolonne Nr. 35 Kirchheim“ gegründet. Die aus 29 Mitgliedern bestehende Mannschaft wurde in den folgenden Monaten durch ärztliche Schulungen und gewissem Drill auf die medizinische Hilfeleistung vorbereitet, ganz unabhängig davon, welcher Berufsgruppe sie angehörten. Nach der Abnahme der Kolonne durch den militärischen und ärztlichen Inspektor des württembergischen Landesvereins vom Roten Kreuz wurde die Kirchheimer Sanitätskolonne in die Organisation der württembergischen Sanitätskolonnen eingegliedert.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die noch recht neue Kirchheimer Sanitätskolonne in ihrer Tätigkeit sehr eingeschränkt. Dennoch konnten die Helfer alle ihre Aufgaben meistern.
Im Jahre 1921 wurden die jeweiligen Sanitätskolonnen der einzelnen Landesvereine und so auch die Sanitätskolonne aus Kirchheim neu organisiert – das Deutsche Rote Kreuz wurde gegründet. Aufgrund der Organisation als eingetragener Verein ist das DRK auch heute noch von Städten, Gemeinden und vom Bund unabhängig und ist von daher auf Eigenfinanzierung und Spenden angewiesen.
Am 22. Oktober 1922 wurde das 10-jährige Bestehen der Sanitätskolonne Kirchheim gefeiert. Zu diesem Anlass wurde den Kirchheimer DRK-Helfern als neues Heim für Fahrzeuge und Ausrüstung die ehemalige Küche im Kirchheimer Schloss mitten in der Stadt überlassen.
Aus den politischen Bewegungen der 1920er-Jahre hielten sich die Kirchheimer Sanitäter weitestgehend heraus. Es war ihnen zudem untersagt, in der Dienstkleidung oder mit dem Abzeichen des Roten Kreuzes an politischen Veranstaltungen teilzunehmen. Es galt der Grundsatz „die Sanitätskolonne steht über den Parteien.“

Die Kolonnenarbeit wurde über die folgenden Jahre immer weiter verbessert und vorangetrieben, nicht zuletzt durch den Kauf des ersten motorisierten Krankenwagens im Frühjahr 1926. Dieser erleichterte den Transport von Verletzten enorm, da bislang ein provisorischer Krankentransport auf Leiterwagen oder fahrbaren Krankentragen angewandt wurde.

Bedingt durch die politischen Umstände der 1930er-Jahre wurde auch das Deutsche Rote Kreuz in gewissen Bereichen reformiert und immer mehr in die politische Maschinerie eingebunden. Nicht nur der Ton und der Umgang war ein anderer geworden, sondern auch die politische Neutralität mussten die Kirchheimer Rotkreuzhelfer zwangsweise ablegen. Ebenso änderte sich in der Struktur einiges. So wurde die Sanitätskolonne Kirchheim wie folgt neu zusammengesetzt:

  • Kirchheim/Teck Zug I
  • Weilheim/Teck Zug II
  • Owen Halbzug
  • Oberlenningen Halbzug

Heute sind die genannten Züge und Halbzüge eigenständige Bereitschaften, wobei die Bereitschaft „Lenninger Tal“ für die Stadt Owen und die Gemeinde Lenningen zuständig ist.

Ihre Einsatzfähigkeit konnten die Sanitätszüge am 15. September 1935 unter Beweis stellen. Bei einem Unglück am Bahnübergang vor Owen kamen fünf SA-Männer ums Leben, fünf weitere wurden schwer verletzt. Wie aus einem Zeitungsbericht hervorgeht, hätten die Helfer bei diesem schweren Unglück Vorbildliches geleistet.

Das 25-jährige Bestehen wurde am 7. November 1937 gefeiert. Auch hier waren die politischen Rahmenbedingungen deutlich zu spüren.

Im Jahre 1938 wurde die Sanitätskolonne in die „Sanitätsbereitschaft II Kirchheim“ umbenannt und somit vollständig in das Deutsche Rote Kreuz integriert.

Während des zweiten Weltkriegs wurden die Helferinnen und Helfer der Bereitschaft in vielerlei Bereichen eingesetzt. So waren sie zum Bespiel in der Ersten Hilfe, als Werkluftschutz- und Werksanitäter oder auch am Krankenbett tätig. Der zweite Weltkrieg riss große Lücken in die Reihen der Rotkreuzhelfer. Zudem waren bei Kriegsende auch sehr wenige Frauen und Männer bereit, diese Lücken zu schließen.
Erst mit dem Beginn der Flüchtlingswellen stieg allmählich die Bereitschaft der Bevölkerung, im Zeichen der Nächstenliebe zu helfen und zu agieren. Nur mühsam gelang es, den Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden. Durch die Bemühungen aller Beteiligter konnte am 4. Februar 1947 schließlich der „DRK-Ortsverein Kirchheim unter Teck und Umgebung“ neu gegründet werden. Zudem war man zu diesem Zeitpunkt sehr stolz auf die Jugendgruppe, mit der man das Zeil verfolgte, die großen Lücken wieder zu schließen, die der Krieg in die Reihen der Rotkreuzhelfer gerissen hatte.

Im Jahre 1951 wurde das Deutsche Rote Kreuz international wieder anerkannt und in die Genfer Konventionen von 1949 mit einbezogen.

Grund zum Feiern gab es erneut 1952, da das 40-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Neben dem Festakt mit einer Vielzahl geladener Gäste im Kirchheimer Adlersaal wurde auch eine Alarmübung abgehalten. Zudem zeigte die Jugendgruppe ihr Können und warb im gleichen Zug für den Gedanken des JRK.

Doch die Aufgaben und Dienste gingen weiter. Großer Wert lag vor allem auf der Aus- und Weiterbildung. Eine besonders schwierige Aufgabe lag im DRK-Suchdienst, der durch die Heimkehrerbefragung versuchte, Aufschluss über die Verschollenen und Vermissten des zweiten Weltkrieges zu bringen.
Auch durch den mittlerweile sehr gut organisierten Krankenwagendienst musste niemand mehr, der die Hilfe der Kirchheimer Rotkreuzhelfer benötigte, lange oder gar vergeblich auf Hilfe warten.

In den folgenden Jahren kamen zwar immer mehr Helferinnen und Helfer hinzu, dennoch hörte man schon ab 1961, dass die Bereitschaft wieder Nachwuchssorgen hätte, da die Mitglieder mit der immer größeren Anzahl an Aufgaben überlastet waren. Trotz allem zählte die Bereitschaft zu diesem Zeitpunkt 67 weibliche und 77 männliche Mitglieder.
Ein Jahr später konnte dann das 50-jährige Bestehen gefeiert werden. Die parallel dazu abgehaltene 8. DRK-Landesversammlung brachte neben vielen anwesenden Ehrengästen, wie DRK-Ehrenpräsident und Altbundespräsident Professor Theodor Heuss und DRK-Präsident Ritter von Lex, auch eine große Zahl an Grußtelegrammen, wie vom damaligen Bundestagspräsidenten und ehemaligen Bereitschaftsmitglied Dr. Eugen Gerstenmaier, nach Kirchheim.

Einer der größten Einsätze, den die Bereitschaft in diesen Jahren zu bewältigen hatte, war die Mithilfe bei der Befreiung von vier Studenten aus der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten im Jahre 1964, welche nach 66 Stunden aus der Höhle gerettet werden konnten.

Die Unterbringung der Bereitschaft blieb auch weiterhin ein wichtiges Thema. In den 1920er-Jahren war die Bereitschaft in der früheren Schloßküche untergebracht. Danach folgten verschiedene „Lokale“ in Hubers Mühle, im Nebenzimmer des Gasthauses „Zum Hecht“, in den Räumen des Schlachthofes und schließlich in der Stiftscheuer. Dennoch bemängelte man die Lokale, da diese nicht dem Ansehen des Roten Kreuzes würdig wären. Dies änderte sich erst im Jahre 1980, als man die Räumlichkeiten im neu erbauten „Technischen Zentrum“ bezog, in denen wir auch heute noch untergebracht sind. Zunächst befanden sich die Räume im Keller; seit 1999 sind die Schulungs- und Besprechungsräume, Lager und das Büro im ersten Obergeschoss, im früheren Gesundheitsamt des Landkreises. Die Räumlichkeiten im Keller werden auch weiterhin als Lagerräume genutzt.

Die Pfingstfeiertage 1987 standen ganz im Zeichen des 75-jährigen Jubiläums. So konnten an drei Festtagen über 10 000 Gäste in einem großen Festzelt auf der Klosterwiese begrüßt werden. In diesem Zusammenhang wurde auch ein internationaler Erster Hilfe Wettbewerb in der Kirchheimer Innenstadt durchgeführt.  

Ein Jahr später wurde durch die Zusammenarbeit der Kirchheimer DRK-Bereitschaft mit zwei engagierten Rettungshundeführern eine der bundesweit ersten Rettungshundestaffeln gegründet.

Da sich durch die immer größer werdende Zahl an Sanitätsdiensten und Einsätzen auch der Fuhrpark der Bereitschaft vergrößerte, wurde im Jahre 1993 eine Scheune in der Dettinger Straße gegenüber vom Polizeirevier für die Anforderungen der Bereitschaft umgebaut. Neben Stellplätzen für die Einsatzfahrzeuge waren auch Umkleiden und Lagerplätze für die Einsatzmaterialien an diesem Standort. Die Räumlichkeiten im Technischen Zentrum blieben unverändert.

Im Jahre 1999 erfolgte die Etablierung des Helfer vor Ort – Systems (kurz HvO) im Gebiet des Kreisverbands Nürtingen – Kirchheim/Teck. Vorläufer der heutigen HvO war die sogenannte „Tälesrettung“. Bereits im April 1986 wurde ein Krankenwagen nach Oberlenningen ausgelagert, welcher von ehrenamtlichen Rettungsdienst´lern im Bedarfsfall im Lenninger Tal und auf der Schwäbischen Alb besetzt wurde und immer mehrere Minuten vor dem zeitgleich alarmierten Regelrettungsdienst am Einsatzort war. Nicht selten rettete diese schnelle Hilfe ein Menschenleben.
Wir sind sehr stolz, einen der Pioniere der HvOs in unseren Reihen zu haben, welcher auch heute noch als Leiter der HvO-Gruppe fungiert.
Dieses heutige HvO-System wurde 2001 um die flächendeckende Einführung der Frühdefibrillation in unserem Kreisverbandsgebiet erweitert.

Einige Jahre später, genauer im Jahre 2005 wurden im Kreisverbandsgebiet die beiden neuen Schnelleinsatzgruppen (SEG) „Teck“ und „Neckar“ gebildet. Die Bereitschaft Kirchheim bildet zusammen mit den Bereitschaften Weilheim und Wendlingen die „SEG Teck“. Die „SEG Neckar“ besteht aus den Bereitschaften Frickenhausen und Nürtingen.

Das 100-jährige Jubiläum des Deutschen Roten Kreuzes in Kirchheim konnte 2012 gefeiert werden. Am Abend des 3. November 2012 gab es hierzu einen Festakt in der Kirchheimer Schlosskapelle mit einer Vielzahl an geladenen Gästen. Neben einer großen Anzahl an Berichten, Ehrungen und Grußworten wurde auch über die lange und geschichtsträchtige Historie des Roten Kreuzes in Kirchheim ausführlich berichtet. Eine musikalische Unterhaltung sowie ein durch Bereitschaftsmitglieder vorbereitetes Buffet rundeten den gelungenen Abend ab.
Auch in diesem Jubiläumsjahr wurde in der Innenstadt ein landesweiter DRK-Wettbewerb ausgetragen.

Im gleichen Jahr wurde bekannt, dass die 1993 umgebaute Scheune in der Dettinger Straße aufgegeben werden musste. Da man schnellstmöglich einen neuen Standort finden wollte, wurden sofort Gespräche geführt. Letztendlich ergab sich die Möglichkeit, den hinteren Teil der Fahrzeughalle im Technischen Zentrum für die Bereitschaft zu nutzen. Ursprünglich waren hinter den Fahrzeugen des Rettungsdienstes die Fahrzeuge des Kindertransports untergebracht, welche allerdings kurz zuvor an einen anderen Standort verlegt wurden. So wurde dieser Teil der Fahrzeughalle in stundenlanger Eigenleistung umgebaut und an die Bedürfnisse der Bereitschaft angepasst.
Vorteil des neuen Standorts ist die räumliche Nähe zum Rettungsdienst und zu anderen Hilfsorganisationen in Kirchheim, die ebenfalls im Technischen Zentrum untergebracht sind. Vor allem aber wurden die Unterkünfte des DRK in Kirchheim von zwei auf einen Standort verlegt, was alle erforderlichen Abläufe erheblich verbessert.